Wer oder was ist Fridolin?

Am 05.01.2022 war mein 5 tägiger Urlaub vom Krankenhaus beendet. Es war Coronazeit und das Krankenhaus verhängte schon mehrere Wochen ein Besuchsverbot. Schweren Herzens und mit sehr gemischten Gefühlen verabschiedete ich mich von meinem Lebensgefährten, nahm meinen Koffer und betrat erneut den Ort meiner Alpträume. 

Ich kann Euch nicht sagen was schlimmer war, die Tatsache dass ich dorthin zurück musste oder dass ich heute die Ergebnisse der Biopsie erfahren würde. Ich ging auf meine mir mittlerweile sehr vertraute Station und bekam zum unzähligen Male ein neues Zimmer zugewiesen. In diesem traf ich auf eine Dame, die aber nur noch auf Ihren Arztbrief wartete um dann kurz darauf auch schon nach Hause gehen zu dürfen. 

Da ich nun freie Bettwahl hatte, suchte ich mir einen Fensterplatz aus. Die Aussicht war ungefähr die selbe, wie in den anderen 6 Zimmern, in denen ich die Wochen zuvor untergebracht wurde.

Natürlich dauerte es auch noch eine ganz schön lange Weile, bis der Arzt mit den Ergebnissen herein kam.

Ein junger Arzt, der fast mein Sohn hätte sein können (gefühlt). 

Er setzte sich auf die Fensterbank neben meinem Bett, hielt einen kleinen Stapel Papier in der Hand und schaute mich ernst an.

"Frau B., die Ergebnisse der Biopsie sind da." 

Ach was! Dachte ich. Seltsamer Weise, war ich ganz ruhig. Innerlich und äußerlich. Als wenn mir jemand die Speisekarte vorlesen würde. 

Ich sah ihn ruhig an und sagte: "Und?" 

"Leider ist der Tumor wie erwartet bösartig und hat bereits in Ihre Knochen und Lymphknoten ausgestrahlt." Teilte er mir mit.

Auch da war ich weiterhin völlig ruhig und ohne jegliche dramatische Gefühlsregung, wie man eigentlich nicht vermuten würde.

"Aber es ist bereits eine Tumorkonferenz für Ihren Fall geplant, bei der die weitere Vorgehensweise besprochen wird."

Und ich solle mir keine Sorgen machen etc...

Als er das Zimmer verließ, war mein erster Gedanke: "War ja sowas von klar." 

Der schwerste Teil kam aber erst noch. Ich ging an die frische Luft, um meine Liebsten zu informieren. Das war das Schwierigste und Schlimmste was ich je tun musste glaube ich. Als Mama seinen Kindern beizubringen dass man eine tödliche Krankheit hat, zerriss mir fast mein Herz. Allerdings wusste ich jetzt auch, dass ich kämpfen muss! Dieser elendige, dreckige Fratz in meiner Brust entscheidet nicht über mein Leben!!!

Die Tage danach lernte ich sämtliche Arten von Untersuchungen kennen die anscheinend für solch einen Fall möglich sind, auf die ich hier aber nicht detailliert eingehen werde, da es sonst den Rahmen sprengt. 

In den folgenden Tagen erreichten mich immer mehr Nachrichten auf meinem Handy von Freunden und Bekannten, die sich nach meinem Gesundheitszustand erkundigten. 

Ein alter Freund von mir hatte eine schlimme Erfahrung in seiner Familie mit Krebs erlebt und er gab mir einen, wie ich heute immer wieder merke, sehr lieben und klugen Rat. Er sagte: "Gib dem Tumor einen Namen, das nimmt ihm den Schrecken!"

Und so kam es, dass ich meinen nicht so netten, aber dennoch vorhandenen Mitbewohner "Fridolin" taufte. 

Fridolin ist heute mittlerweile um einiges geschrumpft und ich glaube fest daran, dass es auch daran liegt, dass ich ihm einen Namen gab, ihn akzeptiert habe und ihn gerade eben durch seinen Namen den Schrecken tatsächlich genommen hab.

Akzeptanz ist eine mächtige Waffe gegen so ziemlich alles! 

 

 

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